2815645
Ano: 2023
Disciplina: Alemão (Língua Alemã)
Banca: FUNDATEC
Orgão: Pref. Morro Reuter-RS
Disciplina: Alemão (Língua Alemã)
Banca: FUNDATEC
Orgão: Pref. Morro Reuter-RS
Provas:
Um die Fragen 26 bis 35 zu beant worten, lesen Sie den folgenden Text.
Fußball-Deutsch
MITTEL
Deutsch perfekt 14/2022
In Katar treffen sich Fußballmannschaften aus der ganzen Welt zum Fußballereignis des Jahres.
Warum ist der Lieblingssport der Deutschen auch in der Alltagssprache so wichtig?
Von Eva Pfeiffer
- Über die aktuelle Fußballweltmeisterschaft gibt es viel zu sagen und zu schreiben – von der
- Kritik daran, dass sie in Katar stattfindet, bis zur Euphorie oder Verzweiflung über die Spiele.
- Oft sprechen die Deutschen jedoch über Fußball, ohne es zu merken.
- Viele Ausdrücke aus dem Ballsport sind nämlich schon lange Teil der deutschen Alltagssprache.
- Als Metaphern benutzen die Menschen sie in komplett anderen Kontexten. Wenn zum Beispiel
- eine Jugendliche nachts zu spät nach Hause kommt, dann kriegt sie von ihren Eltern
- wahrscheinlich einen Anpfiff. An den Beginn eines Fußballspiels denkt dabei sicher niemand.
- Auch der Ratschlag Halt besser den Ball flach! kommt aus dem Sport. Den Ball flach zu halten,
- beschreibt dort eine kontrollierte Art des Spielens. In der Alltagssprache ist die Bedeutung
- ähnlich – nämlich nichts zu riskieren.
- Ausdrücke aus dem Fußball-Deutsch sind Teil der Alltagssprache geworden.
- Warum ist Fußball-Deutsch so präsent? Mit dieser Frage beschäftigt sich Simon Meier-Vieracker.
- Der 42-Jährige ist Professor für Angewandte Linguistik an der Technischen Universität Dresden.
- Eigentlich ist er mehr Radsport- als Fußballfan. Aber für den Linguisten ist der Fußball wie
- eine Schatztruhe. Über seine Funde berichtet Meier-Vieracker auf seinem Blog fussball-
- linguistik.de. Er erklärt: „Fußball ist in Deutschland der populärste Sport überhaupt. Die Spiele
- sind nicht nur in den Medien ein großes Thema. Die Leute sprechen auch bei der Arbeit in der
- Kaffeepause darüber oder unterwegs im Zug. So sind viele Redewendungen und Ausdrücke aus
- dem Fußball-Deutsch Teil der Alltagssprache geworden“.
- Dabei gibt es eine gute Nachricht für alle, die kein Interesse an dem Ballsport haben: Die
- fachlichen Details der Originalausdrücke sind in der Alltagssprache kaum relevant, wie Meier-
- Vieracker erklärt. Man muss also keine Fußballexpertin sein, um sie richtig zu verwenden. Ein
- Beispiel ist die Abseits-Metapher. Die kann man prima benutzen, ohne die genauen Abseits-
- Regeln aus dem Fußball zu kennen. Die Metapher bedeutet, dass eine Person ignoriert wird: Der
- kleine Jan steht im Kindergarten im Abseits. Kein anderes Kind will mit ihm spielen.
- Im Parlament sind seit den 80er-Jahren bei Debatten öfter Fußball-Metaphern zu
- hören.
- Ein anderes Beispiel ist das Grätschen. Bei der Aktion nimmt ein Fußballspieler dem Gegner den
- Ball ab. In der Alltagssprache bedeutet der Ausdruck, dass man eine Person beim
- Reden unterbricht und sich ungebeten in etwas einmischt: Es ärgert mich, dass Stephanie
- immer wieder in unsere Gespräche reingrätscht.
- In manchen Bereichen und Situationen sind Ausdrücke aus dem Fußball besonders populär.
- Meier-Vieracker untersucht mit computerlinguistischen Methoden große Textsammlungen. Er
- hat festgestellt, dass im Parlament seit den 80er-Jahren bei Debatten öfter Fußball-Metaphern
- zu hören sind.
- „Mithilfe der Metaphern sollen Menschen abstrakte Inhalte besser verstehen. Die Ausdrücke
- haben außerdem einen emotionalen Effekt“, erklärt Meier-Vieracker. So zeigt der Westen mit
- seinen Sanktionen Putin die rote Karte. Und Politikerinnen der Oppositionsparteien sagen gern,
- dass der Ball bei der Regierungskoalition liegt. Damit meinen sie: Jetzt muss die Regierung
- endlich etwas tun.
- Auch der Wirtschaft gibt Fußball sprachliche Inspiration. Da wollen zum Beispiel ambitionierte
- Firmen in der Champions League spielen und sind deshalb personell gut aufgestellt. Und
- Jobsuchende müssen am Ball bleiben.
- Es können auch ganze Sätze aus dem Sport in neuen Kontexten verwendet werden. Ein
- populäres Beispiel ist ein Zitat von Sepp Herberger, einem legendären Trainer: „Nach dem Spiel
- ist vor dem Spiel.“ Das Mantra, sich nach einem Erfolg gleich auf die nächste Aufgabe
- vorzubereiten, passt in vielen Situationen. Zum Beispiel in der Politik, denn: Nach der Wahl ist
- vor der Wahl.
- Es gibt im Fußball viele Wörter aus dem Militärbereich.
- Aber Fußball-Deutsch hat auch nicht nur einen Effekt auf die Alltagssprache. Die Inspiration
- funktioniert in beide Richtungen: Auch die Fußballsprache verwendet nämlich Ausdrücke aus
- Kontexten, die eigentlich nichts mit dem Sport zu tun haben.
- „Es gibt im Fußball viele Wörter aus dem Militärbereich“, sagt Meier-Vieracker.
- „Sturm, Abwehr, Offensive – besonders früher war die Sprache ziemlich martialisch. Zum
- Beispiel 1954 beim Halbfinale der Weltmeisterschaft in der Schweiz, bei dem Deutschland 6:1
- gegen Österreich gewonnen hat. Da sprachen deutsche Kommentatoren davon, den Gegner
- mit schwerem Geschütz niederzuschießen. Heute verwenden die meisten Journalistinnen
- Ausdrücke wie diese nicht mehr“.
- So wie die Welt heute eine andere ist als 1954, ist es auch die Sprache. Meier-Vieracker
- beschäftigt sich intensiv mit Livetickern, Livekommentaren und Spielberichten. Dort ist die
- Sprache mehr kulinarisch als martialisch, zum Beispiel wenn ein Spieler mit einer
- Aktion ein Sahnehäubchen aufsetzt, den Ball ins Tor zuckert oder buttercremt.
- Manche Journalistinnen und Kommentatoren sind mit ihren Formulierungen kreativ und lustig,
- andere weniger. Und so funktionieren weder in der Alltagssprache noch in der Fußballsprache
- alle Metaphern und Ausdrücke perfekt. Sprachlernende können das als Motivation sehen,
- Fußball-Deutsch im Alltag einfach einmal auszuprobieren. Mit diesem Text sind sie dafür gut
- aufgestellt.
Laut Professor Simon Meier-Vieracker, um Metaphern zu verstehen,